Der Übergang vom Kinderhaus in die Grundschule

Der Übergang vom Kinderhaus in die Grundschule

Ein Bericht von Martina Prignitz.

Viele Familien mit Vorschulkindern durchleben dieser Tage eine nervenaufreibende Zeit, da weitreichende Entscheidungen anstehen.

Wichtige Fragen müssen geklärt werden, wie: „Welche Grundschule ist die richtige für mein Kind?“ und „Welche Anforderungen werden dort an mein Kind gestellt?“ Umfassende Antworten gab es darauf nun an der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis in Linsengericht-Altenhaßlau.

Beim pädagogischen Elternabend berichtete die Leiterin des Kinderhauses Silvana Munk darüber, wie die Kinder hier auf den Schuleintritt vorbereitet werden und wie der Übergang in die altersübergreifende Grundschulklasse ganz konkret abläuft.

Die italienische Ärztin und Anthropologin Dr. Maria Montessori hat in ihren wissenschaftlichen Studien herausgefunden, dass ein Kind verschiedene Entwicklungsstufen durchläuft, innerhalb derer es bestimmte Fähigkeiten besonders gut und schnell erlernen kann (sensible Phasen). Ihre Beobachtungen werden durch heutige, neurowissenschaftliche Studien bestätigt.

So sind beispielsweise Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren besonders empfänglich für Sprache, Ordnung und Bewegung. Sie saugen Informationen auf wie ein Schwamm und haben große Freude daran, ihre Umwelt mit Augen und Händen zu erforschen.Materialien Kinderhaus Grundschule

Im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren sind die Kinder überaus neugierig darauf, wie die Welt funktioniert. Sie entwickeln die Fähigkeit, abstrakt zu denken und interessieren sich daher sehr für alles, was nicht physisch greifbar ist.

Für jede dieser Phasen hat Dr. Maria Montessori besondere Hilfsmittel entwickelt, die das Kind in seiner Entwicklung bestmöglich unterstützen.

Da kleinere Kinder vor allem durch Anschauen und Fühlen dazu lernen, werden im Kinderhaus in erster Linie die Sinne angesprochen, z.B. mit den geometrischen Körpern und dem Perlenmaterial (Mathematik) sowie Sandpapierbuchstaben (Lesen und Schreiben). Dabei werden sie von den Lernbegleitern individuell und ihrer Fähigkeiten entsprechend begleitet. Gleichzeitig lernen sie, selbstständig zu handeln und sich verantwortungsbewusst und respektvoll zu verhalten.

Das Material und die vorbereitete Umgebung in der Grundschule bauen auf dieses im Kinderhaus gelegte Fundament auf, so dass die Kinder dort schon bald auch komplexere Aufgaben lösen können.

Da das Kinderhaus und die Grundschule an der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis eng zusammenarbeiten und eine Einheit bilden, ist hier auch der Übergang in die nächsten Entwicklungsstufe ein fließender, natürlicher Prozess.

So ist es den Kinderhauskindern schon früh möglich, stunden- oder tageweise die Grundschule zu besuchen und sich dort mit den Schulkindern, den Lernmaterialien und den Abläufen vertraut zu machen. Dies schafft eine enge Verbindung zwischen den Schülern und fördert ihr Selbstvertrauen. Ganz selbstverständlich werden die Kleineren Schritt für Schritt in ihre neue Umgebung integriert, so dass der Schuleintritt ohne harte Zäsur stattfindet.

Rebecca Lups Grundschullernbegleiterin"Einige Montessori-Materialien, die die Kinder aus ihrem Kinderhaus kennen, finden sie in der Grundschule wieder", erklärt Rebecca Lups, Grundschullehrerin der Montessori-Schule, den interessierten Eltern. Sie zeigte an diesem Elternabend wie die zukünftigen Schulkinder ihr bereits vorhandenes Wissen mittels der Montessori-Materialien vertiefen und weiterentwickeln.

Die meisten Kinder, die aus dem Kinderhaus in die Grundschule der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis wechseln, können laut Silvana Munk schon gut lesen und erste Rechenaufgaben lösen. Sie wollen und können sich daher in der Grundschule bereits mit tiefergehenden Fragen beschäftigen.

Sollten Eltern sich entschieden, ihr Kind an einer Montessorischule anzumelden, ist es für alle Beteiligten von großem Vorteil, es nicht erst in der ersten Klasse einsteigen zu lassen, sondern bereits im Kinderhaus an die Montessoripädagogik heranzuführen. Und so stellt sich die Frage nach der richtigen Schule für sein Kind eigentlich nicht erst im Vorschulalter, sondern bereits viel früher.