„Rent-a-Huhn“ im Kinderhaus

„Ein Huhn kann jeden Tag zwei Eier legen. Wir haben auch schon gesehen, wie eines aus einem Huhn herauskommt!“

Die Kinder im Kinderhaus sind ganz aufgeregt. Dank der Unterstützung des Fördervereins der Schule, Ars Navigandi, haben sie vier Wochen lang Besuch von fünf glücklichen Hühnern und können beobachten, was diese den ganzen Tag lang so tun.

Die Hühner stammen vom Hühnerhof Lüft in Seligenstadt. 2013 hatte die Familie die einfallsreiche Idee, ihre Hühner zu vermieten, frei nach dem Motto „Ich will wissen, wo mein Essen herkommt.“. Großer Wert wird dabei auf eine artgerechte Haltung gelegt – sowohl auf dem Hof in Seligenstadt selbst als auch bei den temporären Unterkünften. Mitgeliefert werden ein Stall, Futter und Einstreu, und bei Bedarf auch ein Zaun. Bis zu sechs Wochen lang kann man sich das Landleben in den eigenen Garten holen. Dann brauchen auch die besten Hühner mal eine Verschnaufpause.

Platz dafür ist theoretisch in jedem Garten. Nachdem Nicole Amberg, die Leiterin des Kinderhauses der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis, durch eine Schulmutter von den Miethühnern erfahren hatte, ging es zur Ortsbesichtigung erst einmal in den Kinderhausgarten. Dort wurde sodann ein etwa 25 Quadratmeter großer Bereich für die Hühner abgetrennt, in dem die Hühner nun nach Herzenslust laufen, scharren und picken.

Dass dabei auch der zuvor liebevoll angelegte Kinderhausgarten in Mitleidenschaft gezogen wird, stört Amberg nicht im Geringsten. „Das ist doch das wahre Leben und der Kreislauf der Natur! Sicher haben sich einige Kinder anfangs beschwert, dass die Hühner ihre Kräuter essen und den Boden umgraben. Aber selbst die Kleinsten verstehen, dass das Leben ein Geben und Nehmen ist. Wir geben den Hühnern den Raum zum Leben und das Futter. Und sie geben uns dafür ihre Eier. So hat doch jeder etwas davon.“

Durch die Hühner können die Kinder ganz natürlich und lebensnah wertvolle Erfahrungen sammeln. Sie erfahren, wo unsere Eier eigentlich herkommen. Sie lernen, respektvoll mit Tieren umzugehen. Sie können beobachten, wie die Hühner Konflikte untereinander lösen, um ein friedliches Miteinander in ihrem sozialen Gefüge zu schaffen. Und dass sie selbst mitverantwortlich für das Wohlergehen dieser Lebewesen sind, macht die Kleinen darüber hinaus stolz und selbstbewusst.

Aber nicht nur die Kinder tragen Verantwortung, auch die Eltern sind hier gefragt. Denn die Hühner müssen auch während der Schließzeiten des Kinderhauses zum Schutz vor Füchsen und Mardern abends in ihr Häuschen und morgens wieder herausgelassen werden. Und so wurden entsprechende Elterndienste vergeben. Dass nicht jedes Huhn trotz Dunkelheit abends freiwillig in den Stall zurückkehrt, haben wohl so einige Eltern inzwischen gemerkt. „Mit einem der Hühner habe ich an zwei Abenden fangen gespielt“, erzählt eine Mutter. „Bis ich es hatte, ging es kreuz und quer durch den Garten und dann mehrfach um den Johannisbeerstrauch. Das grenzte an Slapstick. Und ehrlich gesagt habe ich vorher auch noch nie ein Huhn angefasst. Wann hat man heutzutage noch die Gelegenheit, die Natur so hautnah zu erleben? Großartig…“.

Mitte Juli haben die Hühner erst einmal Feierabend. Amberg hofft, dass der Abschiedsschmerz dann nicht allzu groß ist. Doch zur Ablenkung gibt es danach auf jeden Fall ein neues Projekt. Denn dann gilt es, den Kinderhausgarten wieder flott zu machen.

Martina Prignitz, Arbeitsgemeinschaft Presse- & Öffentlichkeitsarbeit